bergedorf Die Geschichte der Hamburger Sternwarte Home / Startseite
  Bergedorf-TV - Reportagen - Hamburger Sternwarte (einleitender Text / Videos) - Geschichte der Hamburger Sternwarte
 
Die erste Hamburger Sternwarte als Staatsinstitut entstand 1833 am Holstenwall Nähe Millerntor aus einem privaten Observatorium, das 9 Jahre zuvor dort gebaut worden war.

Der zweiflügelige Bau wurde in den Jahren 1821 - 1825 errichtet und besaß zwei einfache hölzerne Drehkuppeln. Die beiden Gebäudeteile waren über den Meridiansaal verbunden, der mit einem Passageinstrument und einem Meridiankreis bestückt war.

Nachdem der Begründer J.G. Repsold 1830 überraschend ums Leben kam, wurde die Hamburger Sternwarte 1833 auf Entscheidung der Bürgerschaft als Staatsinstitut übernommen.
 
Äquatoreal
Äquatoreal
  Kurz nach der Jahrhundertwende wurde die Sternwarte wegen der steigenden Luftverschmutzung und der durch die umliegende Stadt verursachte Helligkeit nach Bergedorf verlegt. Dabei wurde der 3-Meter Refraktor (Refraktor = Linsenteleskop) mit seinem hölzernen Beobachtungsstuhl mitgenommen. Beide sind ca 150 Jahre alt und voll funktionstüchtig und als Äquatoreal (oder auch Äquatorial) zu bewundern.

Nach dem Neubau 1906-1912 war die Hamburger Sternwarte in Bergedorf eine der größten und modernsten Observatorien Europas.
Um die Bedeutung einer Sternwarte in der damaligen Zeit ermessen zu können, gerade für eine Stadt wie Hamburg mit aufstrebendem Seehafen, muss man sich zunächst klar machen, wie seinerzeit Schiffe navigiert wurden: Nach den Sternen.

Dazu benötigte man zwei Dinge: Einerseits möglichst genaue Sternenkarten und andererseits eine möglichst exakte Uhrzeit. Und letztere kam damals nicht per Funk von einer Atomuhr !

An der hiesigen Sternwarte wurden - unter vielem anderen - bis in die 1960er Jahre die wirklich weltberühmten Bergedorfer Sternenkataloge des nördlichen Himmels erstellt, welche die Grundlage der noch heute verwendeten Himmels-Koordinatensysteme bilden.
Die Uhrzeit wurde durch stundenlange nächtliche Beobachtungen schon vor fast 100 Jahren immerhin mit einer Genauigkeit von einer Zehntel Sekunde bestimmt.

Im Hauptgebäude der Sternwarte gab es spezielle Zeitmess- und Zeitdienstezimmer, die für damalige Verhältnisse auf einem technisch hypermodernen Stand waren.

Die nachts gemessene Zeit wurde tagsüber zweimal täglich per elektrischem Impuls von der Sternwarte auf einen Zeitball im Hamburger Hafen übertragen. Das war ein großer, weit sichtbarer Ball an der Kehrwiederspitze, der zu festen, exakten Zeiten durch den Impuls herunterfiel. Danach und nach einer Lichtzeichenanlage, die weitere vier Mal täglich einen Blitz aussendete, stellten die Kapitäne dann ihre Schiffs-Chronometer.

Diese Einrichtungen wurden allerdings bereits 1934 (Zeitball) und 1939 (Lichtzeichenanlage) abgestellt. An deren Stelle waren telefonische Zeitsignale getreten.

In den letzten vier Wochen des Krieges gab die Sternwarte schließlich noch einmal ein Funkzeitzeichen ab, das „Onogo-Signal”, denn sie war die einzige Institution im Deutschen Reich, die dazu noch in der Lage war.

Nach dem Krieg hat die Sternwarte noch eine gewisse Zeit alle Bahnhofsuhren in der Britischen Besatzungszone gesteuert und bis 1971 über Rundfunksender in Nord- und Westdeutschland Kurzzeitzeichen abgegeben.
 
Meridiankreis


Zugang zum Meridiankreis


Lippert - Astrograph
  Ein weiterer Meilenstein war die Gründung der Europäischen Südsternwarte (ESO) 1962 in Bergedorf. Prof. Dr. Heckmann, der damalige Direktor der Hamburger Sternwarte, wurde zum Generaldirektor der ESO.
Er und Walter Baade, einer der renommiertesten Astronomen dieser Zeit, der ebenfalls einige Jahre hier gearbeitet hatte und dann nach Amerika ging, hatten die Gründung der ESO entscheidend mitbeeinflusst.

Die ESO ist eine europäische astronomische und astrophysische Forschungsorganisation mit inzwischen 10 Mitgliedsstaaten und ist vom Status her vergleichbar mit der ESA, der europäischen Raumfahrtbehörde und CERN, dem europäischen Nuklear-Forschungs-Zentrum in der Schweiz.

Das Hauptquartier der ESO blieb bis 1969 in Bergedorf, später wurde es nach Garching bei München verlegt.

Hauptziel war und ist die Erforschung der südlichen Hemisphäre, da in den Sternbildern Schütze und Skorpion im Zentrum unserer Milchstraße viele Rätsel bergen, dieser Bereich aber von der Nordhalbkugel der Erde nur sehr schlecht zu beobachten sind.
Auch andere interessante Objekte sind von Europa aus nicht zu beobachten, z.B. die nächsten Nachbargalaxien.

Aus diesen Gründen musste ein Observatorium auf der Südhalbkugel entstehen, die Kosten für ein solches Projekt waren aber so hoch, dass sich schon deswegen mehrere Staaten zusammen schliessen mussten. Noch unter Prof. Heckmann fiel die Entscheidung auf den Berg "La Silla" in Chile, das dortige Observatorium wurde 1969 eröffnet.


Gebäude & Teleskope der Hamburger Sternwarte


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